Wo soll ich nur beginnen?! – Meine Lerngruppe kennenlernen und den Sprachstand ermitteln
Wo soll ich nur beginnen?!, fragst du dich vielleicht, wenn es dir in diesem Schuljahr blüht, das erste Mal das Fach Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten.
Werden die Kinder mich verstehen? Wie viele Kinder sind es
überhaupt? Aus wie vielen Ländern kommen sie? Welche Sprachen bringen sie mit?
Werden sie sich auf diesen Sprachen unterhalten und ich werde nichts verstehen?
Welche Erfahrungen haben die Kinder in ihrem Herkunftsland gemacht? Sind sie
überhaupt bereit zum Lernen? Wie alt sind sie (wirklich)? Wie heterogen ist
meine Lerngruppe? Habe ich zusammengemischte Jahrgangsstufen, z. B. eine Gruppe
mit Kindern von der 2. bis zur 4. Klasse? Was mache ich, wenn ein Teil der
Kinder noch gar nicht lesen oder schreiben kann, die anderen jedoch schon recht
gut? … Panikattacke und schlaflose Nächte vorprogrammiert.
Ich kann dich jedoch beruhigen! Die ersten DaZ-Stunden
sind meistens die schönsten und einfachsten zum Vorbereiten. Es geht dabei um
ein gegenseitiges Beschnuppern und Kennenlernen der Kinder. Und darum, einige
der oben genannten Fragen für dich zu beantworten, sodass du den folgenden
Unterricht genau an deine Lerngruppe anpassen kannst. Außerdem hat dies den
Vorteil, dass du nicht einfach mit dem Unterricht anfangen musst, sondern es
schön langsam angehen kannst.
Auch wenn du schon Erfahrung im Unterricht mit Kindern mit Deutsch
als Zweitsprache hast, hoffe ich, dass du hier weitere Anregungen zum
Erfassen des Lernstandes deiner Kinder findest oder zumindest die Bestätigung,
dass du auf dem richtigen Weg bist.
In diesem Beitrag möchte ich dir daher drei ganz einfache
und vorbereitungsarme Methoden vorstellen, um einen Überblick über den
Sprachstand deiner Schülerinnen und Schüler zu erhalten:
1.
Gesprächssituationen zur Anregung mündlicher
Äußerungen schaffen
2.
Brainstorming auf einem weißen Blatt
3.
Strukturierte Arbeitsblätter
1. Gesprächssituationen zur Anregung mündlicher
Äußerungen schaffen
Beginnen möchte ich mit „Gesprächssituationen zur Anregung
mündlicher Äußerungen schaffen“, da du auf diese Art besonders gut einen
Überblick über die mündliche Ausdrucksfähigkeit deiner Schülerinnen und Schüler
erlangen kannst. Hierbei lässt du deine Schüler/innen einfach zu einem Bild
erzählen (möglichst ein Wimmelbild, da es hier viel zu entdecken gibt).
Benötigtes Material/Medien: ein gedrucktes/projiziertes Wimmelbild zu einem beliebigen Thema (zum Schulanfang bieten sich z. B. das Thema Schule oder Herbst an), Vorlage zum Notizen machen
Zeitumfang: ca. 2 Minuten pro Schüler/in
Weitere Vorbereitung: Überlege, welche Fragen dir besonders wichtig sind und was du aus den Äußerungen der Kinder ablesen möchtest, erstelle dir dafür eine Vorlage (gerne kannst du meine Vorlage übernehmen oder sie als Anregung abändern).
Tipp: Nimm die Kinder auf (Achtung: rechtliche
Bestimmungen), um die Aufnahmen im Anschluss noch genauer analysieren zu können
oder schreibe auf jeden Fall mit.
2. Brainstorming auf einem weißen Blatt
Lasse deine Schüler alles zum nächsten Thema aufschreiben,
was sie auf Deutsch schon wissen. Je nach Leistungsstand können die Schüler/innen
hier nur zeichnen, Skizzen machen und diese mit einzelnen Wörtern beschriften,
Sätze schreiben, einen Text schreiben…
Benötigtes Material/Medien: ein weißes Blatt pro
Schüler/in
Zeitumfang: ca. 10-15 Minuten
Weitere Vorbereitung: Überlege dir, welchen Impuls du
den Schülern gibst (z. B. Schreibe/male alles auf Deutsch auf, was du schon
zum Thema Schule weißt.).
Tipp: Lasse Nomen mit dem bestimmten Artikel
aufschreiben.
3. Strukturierte Arbeitsblätter
Bereite ein Arbeitsblatt vor, auf dem Wörter aus dem neuen
Wortschatz abgebildet sind. Hier siehst du, welche Bilder deine Schüler/innen
schon benennen können. Gegebenenfalls kannst du den Wortschatz so einführen
(wenn recht viele Kinder die Bilder noch nicht beschriften können) oder du
musst ihn anpassen.
Benötigtes Material/Medien: strukturiertes Arbeitsblatt
Zeitumfang: ca. 5-10 Minuten
Weitere Vorbereitung: Überlege dir eine Aufgabe für
Schüler/innen, die noch einen sehr geringen Wortschatz haben und wahrscheinlich
sehr wenig auf das Blatt schreiben können.
Tipp: Ermutige die Schüler/innen und mache ihnen klar,
dass es nicht schlimm ist, wenn auf dem Blatt Lücken bleiben. Lasse dich nicht
dazu überreden, Tipps oder Hinweise zu geben. Lasse Nomen mit dem bestimmten
Artikel aufschreiben. Diese Methode eignet sich gut für nomenlastigen
Wortschatz.
Gerne möchte ich dir mein Material zu den
Lernstandserhebungen zur Verfügung stellen. Die Vorlagen wurden mit dem ♥WorksheetCrafter♥ erstellt.
Viel Spaß beim Ausprobieren!
Deine
Lehrerin mit ♥ für DaZ
Kommentare
Kommentar veröffentlichen