Sicherheit geben - Rituale im DaZ-Unterricht
Kennst du es, dass du eine neue DaZ-Schülergruppe mit absoluten Sprachanfängern hast und ein Kind in deinem Unterricht sitzt, das aus Überforderung ununterbrochen weint? In ein fremdes Land zu kommen, in dem man die Sprache nicht versteht ist nicht einfach. Jeder von uns wäre wahrscheinlich überfordert, wenn er nichts von dem versteht, was die anderen sagen. Was möchte der/die Lehrer/in gerade von mir? Was sagt das andere Kind zu mir? Bin ich in diesem Raum überhaupt richtig? Wo sind die anderen Kinder aus meiner Klasse? Was soll ich hier? Wann ist die Schule aus? Wie lange muss ich hierbleiben? Und danach? Werde ich hier wieder abgeholt? Wo muss ich dann hin? Selbst wenn du das glücklicherweise noch nicht erlebt hast, wird es dich wahrscheinlich auch noch treffen.
Warum sind Rituale gerade im DaZ-Unterricht wichtig?
Besonders im DaZ Unterricht ist es wichtig den
Schüler/innen Sicherheit zu geben. Daher sollten die Stunden eine feste
Struktur durch Rituale haben und am besten einen immer gleichbleibenden
Stundenanfang, bei dem die Schüler/innen schnell und auch ohne Sprachkenntnisse
im Unterricht ankommen und sich sicher fühlen können. Ein weiterer Vorteil ist,
dass Rituale ein totaler Selbstläufer werden, sobald sie gut eingeführt sind.
Das gibt auch dir als Lehrkraft die Zeit, dich zu Stundenbeginn noch einmal
kurz zu sortieren oder die anschließende Stunde kurz vorzubereiten, wenn du z.
B. den Raum wechseln musst.
Heute möchte ich dir daher gerne mein Anfangsritual aus
meinem DaZ-Unterricht vorstellen:
1.
Begrüßungslied
2.
Alternative: Begrüßen in den Erstsprachen
3.
Satzstrukturen anbahnen
1. Begrüßungslied
Sobald alle Kinder angekommen sind, starte ich die Stunde
mit einem Lied. Ich wähle dabei ein Begrüßungslied, das auch den DaZ-Aspekt
auffasst, indem zum Beispiel mehrere Sprachen vorkommen oder es die Namen der Kinder
einbezieht. Anbei einige Anregungen:
Herzlich willkommen ihr lieben Leute (hier ist der Liedtext
nur auf Deutsch; mit fortgeschritteneren Lerngruppen ist es ein schönes
Anfangsprojekt, den Text in die Erstsprachen der Kinder zu übersetzen)
Du hast einen Namen (die Strophe wird für jedes Kind einmal
gesungen, das am Ende seinen Namen nennt)
Es lohnt sich auch einen Blick in die Liederbücher für Musik
zu werfen, da hier auch häufig das Thema Begrüßung am Anfang aufgegriffen wird
und dort auch passende Lieder abgedruckt werden.
2. Alternative: Begrüßen in den Erstsprachen
Ein weiteres beliebtes Ritual im DaZ-Unterricht
ist, dass die Kinder sich gegenseitig in ihren Erstsprachen begrüßen. Eine
Möglichkeit im Sitzkreis ist hier, dass die Lehrkraft startet, indem sie ein
Kind neben sich z. B. auf Deutsch und mit Namen begrüßt: Guten Morgen … Dieses
Kind macht dann weiter. Es grüßt erst die Lehrkraft zurück und begrüßt dann das
nächste Kind in seiner Erstsprache: Bonjour madame, Bonjour … So geht es dann weiter,
bis alle Kinder dran waren. Ich lasse die Kinder ihre Begrüßung in der
Erstsprache auch in Sprechblasen schreiben. Die Sprachblasen werden dann im
Klassenzimmer um ein Plakat aufgehängt. So ist gleich zu sehen, wie viele
Sprachen wir zusammen sprechen.
3. Satzstrukturen anbahnen
Anschließend ist es mir wichtig, dass die Kinder für den
Anfang passende Satzstrukturen an die Hand bekommen. Das können ganz
alltägliche Sätze (Wie heißt du? Ich heiße …) sein oder auch zum eingeführten
Wortschatz passende Fragen (Was ist deine Lieblingsfarbe? Meine Lieblingsfarbe
ist …). Diese Satzanfänge visualisiere ich an der Tafel in Sprechblasen. Nach
unserem Begrüßungslied starten die Kinder dann eine Fragenkette mit den an der
Tafel hängenden Sprechblasen. Ein Kind beginnt und sucht sich ein anderes Kind
aus, dieses Kind antwortet und fragt dann das nächste Kind usw.
Kind 1: Wie heißt du? (zeigt auf das nächste Kind)
Kind 2: Ich heiße … Wie heißt du? (zeigt auf das nächste
Kind)
Kind 3: Ich heiße … Wie heißt du? (zeigt auf das nächste
Kind)
…
Meistens übe ich eine Satzstruktur eine Woche lang (zwei
oder drei Stundenanfänge) und führe in der Folgewoche eine neue Struktur ein,
die alte wiederhole ich aber natürlich noch weiter. Erst wenn eine Struktur von
allen Kindern beherrscht wird, wird sie aus der Sammlung genommen und abgehängt.
Sind genug Strukturen vorhanden, lasse ich die Kinder einen
Würfel basteln und abwechselnd mit einem Partner würfeln. Ein Kind liest dann
die gewürfelte Frage vor und das andere Kind beantwortet diese. So ist jedes
Kind noch aktiver.
Anschließend starte ich mit der eigentlichen
Unterrichtsstunde.
Gerne
möchte ich dir mein Material zu den Ritualen zur Verfügung stellen. Die
Vorlagen wurden teilweise mit dem ♥WorksheetCrafter♥ erstellt.
Viel
Spaß beim Ausprobieren!
Deine
Lehrerin
mit ♥ für DaZ
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